Frankfurt (ots) – Es gibt wohl keinen Bereich in der Finanzwirtschaft, der das Aufkommen der Fintechs so gut demonstriert wie der Zahlungsverkehr. Der hat in seiner elektronischen Form getragen vom E-Commerce neue Möglichkeiten für Start-ups geboten, sich in dieser voluminösen Nische breitzumachen. Und was daraus werden kann, das weiß man spätestens seit Paypal, die den Banken weltweit vorgemacht hat, was eine digitale Payment-Plattform ist, die dem Online-Händler sofort die notwendige Zahlungsgarantie liefert.

Aber Paypal ist mittlerweile auch fast schon von gestern, wenn man sieht, wie der Markt nun von Protagonisten wie Transferwise und Adyen aufgerollt wird. Nicht von ungefähr hat die niederländische Adyen den Ebay-Spross Paypal bei seiner Mutter als primären Payment-Dienstleister ausgestochen. Es geht um Funktionalitäten wie Multiwährung und hochperformante Infrastruktur für den modularen Ausbau von Diensten auf globalen Plattformen wie Uber, Netflix oder eben Ebay. Und Adyen hatte schon bei Gründung vor acht Jahren voll auf eine Cloud-basierte Struktur für einen globalen Einsatz gesetzt, was sich bewährt hat.

Die Marktposition von Adyen ist so gut, dass das Fintech nun mit einer überzeugenden Equity Story den Börsengang anstrebt. In einer Woche soll das Listing an der heimischen Amsterdamer Euronext stattfinden (früher wäre es vielleicht trotzdem nach London gegangen), das Emissionsvolumen beträgt im besten Fall gut 1 Mrd. Dollar. Die Bewertung von bis zu 8,3 Mrd. Dollar ist natürlich ambitioniert für ein Fintech mit einem operativen Ergebnis von 99 Mill. Euro – aber für digitale Geschäftsmodelle müssen auch andere Kennzahlen/KPIs herangezogen werden, um zu einer Preisfindung zu gelangen. Im Geschäftsmodell von Adyen steckt jedenfalls ein unglaublicher Hebel für Skalierung. Negativ ist, dass bei der Platzierung ausschließlich Altinvestoren Kasse machen.

Dass Adyen die IPO-Route beschreitet, kann auch weiteren reifen europäischen Fintechs den Markt öffnen. Funding Circle dürfte bald mit ihrer IPO-Ankündigung kommen; andere wie Revolut und N26 haben jüngst größere Finanzierungsrunden gestemmt und sind mit Expansion beschäftigt. Auch von Transferwise heißt es, dass ein Going Public nicht so schnell auf die Agenda kommt, da man mit dem Ende 2017 eingespielten Risikokapital von 280 Mill. Dollar hinkommt. Dabei macht Transferwise den Großbanken gerade vor, wie sich grenzüberschreitender Zahlungsverkehr zu geringen Gebühren abwickeln lässt. Für die Banken tut sich da die nächste Baustelle auf.

(Börsen-Zeitung, 06.06.2014)

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